„Im Summä, moin Bu, do braucht mä koa Schuh“

 

Die gesoammelde Wäijge vun

Dieter Kellermann – dem Bensemä Koaschdlä

 
Dieter Kellermann, Jahrgang 1941, in Bensheim geboren und aufgewachsen, verbrachte sein ganzes Leben in der Stadt. Er ist ein waschechter „Bensemä Känbäijer“, der schon früh begann alte Arbeits- und Haushaltsgeräte, und vieles, das achtlos zum Müll geworfen wurde, zu sammeln. Darüber hinaus interessiert er sich für die Geschichte seiner Stadt. So erwarb er sich Kenntnisse und Wissen, das er in privaten Stadtführungen weiter geben konnte. Seit 25 Jahren schreibt er als „Bensemä 
Koaschdlä“ Mundartglossen im „Bensheimer Blättche“.
 
In seinen „Gesoammelde Wäijge“ gewährt Dieter Kellermann Einblicke in sein Leben. Geschichte(n), Bilder, Anekdoten, Gedichte und Lieder, in Mundart und auch in Hochdeutsch, zeigen Bensheim im Wandel der Zeit.
 
Dieter Kellermann verstarb am 14. November 2017 in Bensheim.
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Buch ist in den Bensheimer Buchhandlungen
Schlapp, Nuss und Bücherstube erhältlich,
 
100 Seiten, DIN A5, mit zahlreichen sw/Abbildungen
 
IBSN 9-783981-774245     Preis: 9,- Euro
 
Tel. Bestellung beim Verlag: 06162 91 26 58
eMail: pitt.do@t-online.de
 
 
 
 

„Wieso soll ich auch weg, wenn es mir hier am besten gefällt“

 
Dieter war ein Bensemer Original. Er hat in seinen Artikeln unverblümt seine Meinung kundgetan. Klar hat er manchmal auch etwas polarisiert, aber so war er halt. Er ließ sich weder verbiegen noch den Mund verbieten, aber unter seiner rauen Schale verbarg sich ein herzensguter Kern. Bensem, sein Städtchen, liebte er. Hier wurde er geboren und hier hat er auch, bis auf wenige Urlaube, die meiste Zeit seines Lebens verbracht. „Wieso soll ich auch weg, wenn es mir hier am besten gefällt", so das Bensemer Urgestein. Sein Wohnzimmer war die Bensemer Fußgängerzone, hier traf man ihn täglich. Ob im oder vorm Tchibo oder Hug, der
Dieter stand immer mit Freunden und Bekannten mitten im Herzen von Bensem. Deshalb wusste er auch immer ganz genau, was die Bensemer so beschäftigt, im Guten oder Schlechten und als Koaschdlä sprach er das auch immer hier in der Zeitung an. Damit eckte er natürlich auch manchmal an, aber „everybody‘s Darling is everybody‘s Rindvieh‘. Er sagte mal zu uns, dass ihn ein bekannter Kommunalpolitiker als notorischen Nörgler betitelt hätte, aber damit konnte er gut leben. Er benannte auch Missstände in Bensem und was man ändern könnte. Eigentlich war der Koaschdlä damit eine Pflichtlektüre für jeden Kommunalpolitiker, denn näher als Kellermann hatte niemand sein Ohr an den Bensemern. Er wusste um die Bedürfnisse, auch gerade bei seiner Generation. Kleine Wünsche, wie beispielsweise einige Bänke in der Innenstadt. Und er war auch dankbar, wenn so etwas dann irgendwann einmal umgesetzt wurde. Dieter war aber auch ein Mahner, gerade wenn es um Investitionen, also neue Schulden von Bensem, ging. Dabei dachte er auch an die nachfilgenden Generationen, die das bezahlen müssen und war auch nicht immer zu überzeugen, dass manche Investitionen auch getätigt werden müssen.
Dieter Kellermann war ein leidenschaftlicher Sammler von alten Arbeits- und Haushaltsgeräten, der ganze Keller ist voll von Raritäten. Er kannte sich bestens aus mit der Bensheimer Geschichte und veranstaltete private Stadtführungen, die er in einem historischen Gewand durchführte. Einen kleinen Traum hatte er sich vor kurzem noch erfüllt – sein eigenes Buch. Dieter verfasste Gedichte und schrieb auch alte Kindheitserinnerungen auf. Sein Buch, das er im Sommer vorstellte, enthielt eine bunte Auswahl von allem, was er so zu bieten hatte, also „gesoammelde Wäijge“.
Als wir im Sommer in der Stadt in der Bretzel (Seniorentreff) zusammen saßen sagte er noch, dass einige das Buch bei ihm gekauft hätten, von denen er das nie erwartet habe. Aber umgekehrt genauso. Das Buch enthält auch ein Gedicht mit dem Titel „Enn Bensemä Lausbu“ in dem Dieter sich an seine Jugend erinnert und was er gerne noch mal erleben würde. Das Gedicht endet für diesen traurigen Anlass ziemlich passend: „Unn wann ich mol zum Häggodd nuffkumm, soach ich ehm, Häggodd foi, loß misch um Goddeswille noch oamol enn Bensemä Lausbu soij“.
Machs gut Dieter, wir Bensemer werden dich vermissen.
 
Bensheimer Blättesche, Dez. 2017