Johann Wilhelm Wolf

Der rheinische Volksforscher Johann Wilhelm Wolf kam 1849 nach Jugenheim an der Bergstraße. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Werk der Brüder Grimm fortzuführen. Zusammen mit dem Bruder seiner Gattin, dem Leutnant Wilhelm von Ploennies, streiften sie durch den Odenwald und spürten den Überlieferungen des Volkes nach. Der junge Offizier ließ außerdem in seinem Regiment Mann für Mann aufmarschieren. Die Soldaten mussten singen und sagen, was wie wussten: Märchen, Sagen, Legenden, Beschwörungen und Lieder. In Jugenheim fand Wolf weitere kenntnisreiche Märchenerzähler: den ehemaligen Müller Gans, den Schmied Schmidt und den Zigeuner Bletz. Dieser erzählt ihm Dutzende von Märchen und konnte auch genau angeben, wo und wann er jedes einzelne Stück gehört hat. Alles, was er weiß, wird von seinem gelehrten Freund Wolf zu Papier gebracht. So ist eine der schönsten deutschen Märchensammlungen entstanden und es ist fast unbegreiflich, dass die »Deutschen Hausmärchen, herausgegeben von J. W. Wolf« außer der ersten Auflage im Jahr 1853 nur noch eine Auflage 1858 erlebt haben. In der Reihe »Eichblatts Deutsche Heimatbücher« erschien 1920 der Titel »Vom Märchenquell im Odenwald, Volksmärchen, gesammelt von Johann Wilhelm Wolf«. Dafür hatte der Herausgeber, Prof. Dr. Karl Plenzat, aus den insgesamt 51 Märchen elf ausgewählt. Neun davon sind hier abgedruckt. Die feingliedrigen und virtuos geschnittenen Illustrationen hierzu stammen von Anna de Wall (1899–1945), einer Künstlerin aus Großefehn (Ostfriesland). Im zweiten Teil des Buches sind fünf Märchen abgedruckt, die aus der Feder des Michelstädter Schriftstellers Carlot Gottfried Reuling (1861–1933) stammen. Reuling studierte Germanistik, Dr. phil., und arbeitete überwiegend als Schriftsteller. Er schrieb Dramen, Theaterstücke und Belletristik. Sein bekanntestes Schauspiel »Der Stärkere« wurde 1896 im Schiller-Theater, Berlin, uraufgeführt. In der Deutschen Nationalbibliothek sind drei Titel von ihm verzeichnet. Darüber hinaus gibt es noch weitere Publikationen von Reuling. Der große Durchbruch ist ihm mit seinen Werken allerdings nicht gelungen. So ist er mittlerweile fast in Vergessenheit geraten

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